Donnerstag 07.10.2004


Bevor wir Alexandropoulis verlassen, wird vollgetankt mit allen Reservekanistern. Es wurde uns erzaehlt, dass der Diesel in der Tuerkei mehr koste als in Griechenland. Mit diesen 140 kgs Mehrgewicht kaempft sich unser TCM tapfer nach Feres Richtung tuerkische Grenze. Zuerst kommt aber die griechische Seite. Passkontrolle, dann ein paar Meter weiter die Fahrzeugpapiere. Alles klar. Nur ein wenig aergern wir uns ueber die Tankstelle nach dem griechischen Zoll, wo der Preis fast die Haelfte billiger ist.
Die folgende Bruecke fuehrt ueber den Fluss Ebros. Wir sind etwas ueberrascht, im Abstand von 40 Metern je zwei Wachhaeuser der Griechen inklusive bewaffneten Soldaten zu sehen. Das tuerkische Wachhaeuschen steht etwa 20 Meter weiter am Ende der Bruecke. Die folgende Zollanlage ist riesig und recht neu. Zuerst kommt einer der die Paesse kontrolliert , warum wissen wir nicht, da 50 Meter weiter die Personenkontrolle mit Schalterhaeuschen etc. kommt. Wir erhalten die Einfuhrstempel in unsere Paesse und koennen 30 Meter weiterfahren, dort kommt der ganze Fahrzeugkram. Am Haeuschen anstehen, warten bis der wortkarge Zoellner die Details im Computer eingetippt hat und den TCM in Michis Pass eintraegt. Fuer das Papier, das er uns ueberreicht muessen wir EUR 9 bezahlen und schickt uns zum gegenueberliegenden Schalter. Dieser junge Mann checkt sofort, dass etwas fehlt. Die Papiere fuers Motorrad. Dafuer benoetigt man ein seperates Formular. Also wieder beim ersten Schalter anstehen und nochmals EUR 9 bezahlen. Nun geht’s aber flott und wir koennen einreisen. Fuer die ganzen Formalitaeten haben wir etwa 40 Minuten gebraucht. Somit ist das wunderbar gegangen. ( Wer mit dem eigenen Fahrzeug in die Tuerkei einreist, braucht eine gueltige gruene Versicherungskarte, sonst muss man eine Fahrzeugversicherung am Zoll abschliessen. Es soll uebrigens auch eine Faehrverbindung von Ancona direkt nach Istanbul geben. )
Das Land wird ziemlich flach, links und rechts gibt es fast nur abgemaehte Getreidefelder. Die Hauptverkehrsstrasse ueber Tekirdag bis Istanbul ist saumaessig schlecht. Wegen der tiefen Fahrrinnen, vielen Loechern und Belagsflicken, fahren wir nicht so schnell. Korrekterweise muss hier aber gesagt werden, dass ueberall an dem 4 spurigen Ausbau der Strasse gearbeitet wird.
Nach ca. 250 km erreichen wir den Vorort Florya, resp. Yesilkoey. Den Campingplatz Florya Ciroz finden wir auf Anhieb. ( Der Atakoey Tatil Koeyue Camping wurde uns nicht empfohlen. )
Es ist ziemlich nass hier. Anscheinend hat es, wie auch auf der Fahrt hierher, immer mal geregnet. Wir sind ja immer noch bargeldlos, deshalb machen wir uns beim Eindunkeln, im angrenzendem Quartier auf Bankomatsuche. Immer wieder gibt es kleine Laeden mit verschiedenem Angebot. Endlich ist auch der ersehnte Bankomat gefunden und wir werden stolze Besitzer von 100 Millionen tuerkischen Liras! Ups! Doch umgerechnet sind das nur etwa CHF 80.-. Hier wird also jeder zum Millionaer! Anstatt einzukaufen gehen wir in ein kleines Lokal um etwas zu essen. Wir sind die einzigen Gaeste und werden sehr zuvorkommend bedient. Es schmeckt auch ausgezeichnet und wird huebsch serviert.



Freitag 08.10.2004


Es ist bewoelkt und nieselt. Wir machen uns auf die Suche nach der Bahnstation, die in der Naehe des Campingplatzes ist. Ueber Umwege finden wir die Station. Die Bahnwaggons haben schon bessere Zeiten gesehen und waehrend der Fahrt rumpelt und schuettelt es oft gewaltig. Es ist etwa halb elf Uhr und der Zug ist sehr voll. Wir sehen all diese verschiedenen Leute und fragen uns, wer wohl zur Arbeit, Schule oder sonst wohin geht. In der Naehe der blauen Moschee steigen wir aus. Mittlerweile ist es Mittag und in einem Restaurant vor der Moschee und dem Teppichbazar setzen wir uns einmal und probieren etwas tuerkisches. Hier hat es auch wieder einige Touristen.
Als naechstes wird ein handlicher Stadtplan beschafft. Dann fragen wir herum wo wir wohl unsere Nummernschilder kopieren lassen koennen. Wir erhalten zwei verschiedene Antworten und probieren halt das eine einmal aus. Auf geht es per Bus ueber das goldene Horn zum Stadtteil Sishane. Mittlerweile regnet es ziemlich fest und wenn man so zu Fuss in Istanbul unterwegs ist, kommt einem die ungenuegenden Abfluesse nicht gerade gelegen. Teilweise fliesst das Wasser in stroemen den Strassen entlang. Gehsteige gibt es nicht ueberall so huepfen wir von Erhoehung zu Erhoehung um nicht ganz nasse Fuesse zu kriegen. Den Schildermacher haben wir aber bald gefunden. Nach einigem hin und her einigen wir uns. Ueber den Preis koennen wir nicht handeln, dafuer sind die Schilder in drei Stunden abholbereit.
Fuer uns lohnt sich nicht in dieser Zeit zurueck zu fahren, also bleiben wir in diesem Stadtteil. Ein Internet ist bald einmal gefunden, somit waehren wir fuer eine Weile im Trockenen. Spaeter laufen wir durch einen ueberdachten Bazar, der wohl kaum viele Touristen sieht. Man kann hier alles moegliche kaufen; von Fisch, Getreide, Gewuerze bis ueber zu Faden, Kleider und Uhren. Da, ein Postoffice, hier koennen wir gerade mal versuchen ein Postpack zu kaufen, wenn es welche gibt. Tatsaechlich steht hinter den Schaltern ein Gestell wo zwei gelbe Postpacks ausgestellt sind. Fast wie bei der Schweizer Post. Auf unsere Frage nach einem groesseren Postpack verschwindet sofort einer im...vielleicht Keller? Wir wissen es nicht genau, es geht aber etwa eine viertel Stunde bis er mit einem grossen Pack auftaucht. Stolz ueber unsere Errungenschaft ( das Postpack ist uebrigens aus Plastik, ist viel besser als die kartonigen in der Schweiz, diese vertragen naemlich auch Regen), machen wir uns zurueck auf den Weg zum Schildermann. Quasi druckfrisch liegen sie da, unsere neuen Nummernschilder fuer den TCM.
Per Bus geht es wieder zurueck uebers goldene Horn. Jede Fahrt in einem Transportmittel hier, ob Zug, Tram oder Bus kostet 1 Million Lira. Von der Lauferei sind wir recht geschafft und mittlerweile, trotz Regenjacke, ziemlich durchnaesst. Wir suchen also den kuerzesten Weg zur naechsten Bahnstation um schnell heimwaerts zu gelangen. Wiederum faehrt uns der Zug vor der Nase weg. Der Naechste ist gestossen voll, das ganze Arbeitende Volk ist auf dem Heimweg. Bis jetzt sind uns alle wohlgesonnen. Immer wieder wird uns der Weg gezeigt, nach unserer Station gefragt oder sonstwie geholfen.
Zurueck im Camping schluepfen wir schnell aus den nassen Sachen und huepfen unter die heisse Dusche. Zum ersten Mal ziehen wir auch winterwarme Kleider an um uns schoen warm zu halten.



Samstag 09.10.2004


Ziemlich oft in der Nacht haben wir die ankommenden und abgehenden Flugzeuge gehoert. Teilweise wird der Landeanflug direkt ueber unseren Koepfen abgehalten. Ansonsten waere es schoen ruhig hier. Die meisten Plaetze sind mit fest installierten Wohnwagen und Zelten besetzt.
Etwas frueher sind wir heute unterwegs. In der Stadt gehen wir gleich zum Topkapi Palast. Anfaenglich wurde 1453 der Palast von einem Sultan erbaut und spaeter von den folgenden weiter um-und ausgebaut. Bis 1839 lebten und regierten die Sultane hier. Mittlerweile ist ein ganz eindrueckliches Museum entstanden. Die meisten Raeume sind gut erhalten und man kann die vielen Verziehrungen noch sehen. In den ehemaligen Palastkuechen sind heute chinesisches Porzellan aus dem 12. und 13. Jahrhundert ausgestellt. Das meiste ist sogar noch ganz. Weiter gibt es viel Silber und Goldschmuck oder Waffen und Ruestungen. Auch einige uralte Sultansgewaender sind fast makellos erhalten geblieben. In den Schatzkammern koennen wir uns von dem Prunk und Glamour ueberzeugen...es funkelt und glitzert ueberall. Erwaehnenswert ist der weltweit fuenftgroesste Diamant mit 86 Karat und der, mit drei grossen Smaragden versetzte, goldene Dolch, der in Peter Ustinovs Verfilmung Topkapi vorkommt. Eine schoene Aussicht hatten die Bewohner damals auf Istanbul da der Palast recht hoch oben angelegt ist.
Ihr koennt euch vorstellen, dass ein paar Stunden in so einem Museum doch recht anstrengend sind. Deshalb sammeln wir unsere Kraefte bei einem Poulekebab. Mittlerweile haben sich die Wolken auch verzogen und es ist angenehm warm.
Die blaue Mosche und die Aya Sofya bestaunen wir nur von aussen. Dafuer besuchen wir noch das Tuerkisch und Islamische Museum mit vielen Informationen ueber das nomadische Leben und vielen besonderen Stuecken aus den verschiedenen Epochen.
Um den Sonnenuntergang zu erleben eilen wir nun zu der Galatbruecke hinab. Hier koennen wir so richtig Istanbuls Puls fuehlen. Auf und neben der Bruecke reiht sich Fischer neben Fischer. Unter der Bruecke gibt es viele Cafes und Restaurants wo man sich so trifft oder Samstag Abends ausgeht. Daneben bei den Anlegestegen der Bootstaxis kommen ganz viele fliegende Haendler die Essen oder sonstwas anbieten und ihre Ware lauthals anpreisen. Wir schauen uns das Treiben noch eine Weile an, machen uns dann aber muede auf den Heimweg.



Sonntag 10.10.2004


Diese Nacht war es merklich ruhiger, da wohl alle Wochenendfluege bereits gelandet waren. Es gaebe noch viel zu sehen und erkunden in Istanbul, aber wir entschliessen uns zur Weiterfahrt. Zuerst wird jedoch noch Abwasser und Toilette geleert, Wasser nachgefuellt, Fenster in der Fahrerkabine geputzt, feuchte Sachen an die Sonne gelegt. Es werden immer weniger Campingplaetze kommen, also nutzen wir jede Gelegenheit.
Die Autobahn Richtung Osten durch Istanbul hindurch finden wir ohne Problmeme. Zuerst ueberfahren wir das Goldene Horn, danach kommt die Zahlstelle fuer die grosse Bruecke ueber den Bosperus. Hier herrscht ein Riesenchaos. Ueberall wird eingespurt, warscheindlich in zwei Schlangen pro Zahlstelle. Es wird gehupt und kreuz und quer durch die Warteschlangen gedrueckt. Wir halten uns dicht hinter einen Lkw und fahren gut damit. Irgendwann sind wir durch und verlassen Europa definitv. Ein letzter Blick zurueck...Nach der Bruecke kommt gleich ein Schild, Willkommen in Asien. Jetzt haben wir also den Kontinet gewechselt.
Irgendwo haben wir einen Bericht ueber das Autofahren in der Tuerkei gelesen. Bis jetzt empfinden wir es gar nicht schlimm hier. Der Verkehr ist weniger agressiv als in Griechenland wo alle immer von hinten druecken und an den unmoeglichsten Orten ueberholen. Hier werden immerhin die Ueberholverbote meist respektiert und kommentar und huplos abgewartet.
Die meiste Zeit umfahren wir das Marmarameer. Kurz vor Bursa verlassen wir die Ueberlandstrasse und beziehen Nachtquartier in einer Talsenke.



Montag 11.10.2004


In wenigen Kilometern erreichen wir Bursa. Das war frueher einmal die Hauptstadt. An den Ampeln wird jeweils in Sekunden angezeigt wie lange das Licht gruen oder rot ist. Sehr vortschrittlich. Ueberhaupt macht diese Stadt (fast 2 Mio. Einwohner) einen modernen und leicht westlichen Eindruck. Es wird ueberall gewischt und geputzt, viele Geschaefte sehen so aus wie in den meisten Staetten Europas. Im Zentrum gibt es aber doch einen grossen Bazar wo man wiederum alles erstehen kann. Es gibt kaum Touristen; wir haben also keine gesehen. In Ruhe koennen wir durch den Bazar laufen ohne angesprochen zu werden und kaufen dort einiges an Gemuese, Fruechte und Kaese ein. Mit den Banken wird es schon schwieriger. Zur Abwechslung wollen wir mal Travellerchecks wechseln. Bei einer Bank klebt endlich das Zeichen auf der Tuere, doch als wir fragen, heisst es sie wechseln keine Checks. Wir werden weiter ins Zentrum geschickt. Bei einer grossen Bank fragen wir zuerst an der Rezeption ob wir Checks einloesen kann. In bestem Englisch antwortet die Dame, selbstverstaendlich kein Problem. Sie drueckt uns ein Nummernticket in die Hand und wir setzen uns auf die gemuetlichen Stuehle und warten unsere Nummer ab wie jeder andere hier. Als wir jedoch dem Schalterbeamten die Checks zeigen wirkt er unschluessig. Er fragt nach und meint dann es gehe nicht. Als wir ein bischen protestieren, heisst es irgendetwas mit dem Computer. Was auch immer, also gehen wir zur naechsten grossen Bank. Auch dort heisst es mit dem Computer sei etwas...nur was wohl? Was kann denn so schwierig sein ein paar Checks einzuloesen? Zum Glueck koennen wir auch am Automaten Geld rauslassen, der spricht sogar Deutsch mit uns.
Wir geniessen noch etwas tuerkisches Gebaeck und machen uns dann weiter auf den Weg. Etwa eine halbe Stunde fahrt nach Bursa sehen wir an der linken Seite der Strasse ein Gestuet. Jedem Pferdefan wuerde das Herz wohl hoerher schlagen: Weiden soweit das Auge reicht, ueberall sind die Pferde draussen, Heu wird gerade in grosse Scheunen eingelagert und alles zieht sorgfaeltig gepflegt aus. Einige Kilometer zieht sich diese Anlage der Strasse entlang, dazu ist das Ende von der Strasse her nicht zu sehen, man kann also nur ahnen, wie gross dieses Gut ist.
Um Kilometer zu sparen verlassen wir die Ueberlandstrasse und nehmen eine kleine Landstrasse durch die sanft geschwungenen Huegel. Auf einem Huegel suchen wir ein geschuetztes Plaetzchen. Es gibt ein paar Feldwege hinter die Baeume. Dort sind die trockenen Felder bereits gemaeht. Weiter unten ist ein Mann am arbeiten, also ziehen wir los um ihn zu fragen. Seinen Gesten zufolge ist er der Besitzer dieses Landes. Nach einigem palaver glauben wir, dass er einverstanden ist, dass wir uns hier haeuslich einrichten. Einige Zeit spaeter kommt er zu uns herauf. Leider genuegen unsere paar Woertchen Tuerkisch nicht um ihn zu verstehen. Immerhin, er schreibt uns seine Adresse aus und falls es Probleme gaebe sollten wir ins Dorf kommen und nach ihm fragen.
Irgendwo laeuten ein paar Ziegengloecklein und der Muezzin kommt gleich aus drei Seiten mit dem Wind daher, aber ansonsten ist es schoen ruhig.



Dienstag 12.10.2004


Recht ins truebe gucken wir heute Morgen. Es liegt Nebel ueberall und es nieselt. Je weiter wir suedwaerts fahren desto mehr hebt sich die Wolkendecke. Nach den Huegeln kommen wieder mehr Baumwollfelder. Waehrend in Griechenland grosse Baumwollpflueckmaschinen durch die Felder gefahren sind, wird hier alles von Hand abgelesen. Grosse Jutesaecke werden mit den Baumwollbuescheln vollgestopft und viele Traktoren oder Lastwagen transportieren die Saecke zum naechsten Textilzenter.
Bald schon ist Bergama erreicht. Wie so oft, erntet Sonja waehrend dem fahren ueberraschte bis unglaeubige Blicke der Maenner. Hier mitten auf der Strasse haelt sogar ein Kleinlaster an, da der Fahrer so ueberrascht war. Er ist so durcheinander, dass er weder korrekt vor noch zurueck fahren kann. Also duest Sonja halt an ihm vorbei. Einen kleinen Campingplatz gibt es hier. Sehr einfach aber anscheinend mit warmem Wasser. Also noch vor Sonnenuntergang ab in die Dusche. Es hat nur ein Paar Hollaender mit ihrem Jeep hier.
Wir fahren noch ins Zentrum um einen Lageplan zu holen und einen Tee zu trinken. Hinten abseits in einer Gasse finden wir eines der lokalen Teehaeuser. Es sitzen nur Maenner drin. Einige diskutieren andere spielen Scrabble. Ein aelterer Mann setzt sich gelegentlich hin. Als wir einen zweiten Tee bestellen, bezahlt er gleich unseren Tee. Wir versuchen ein bischen mit ihm zu plaudern. Es ist ja schon lustig, er spricht tuerkisch und wir deutsch, und doch das eine oder andere kann man verstehen oder deuten.



Mittwoch 13.10.2004


Michi holt frisches Brot zum Fruehstueck. Brot wird hier taeglich frisch gebacken, ist meist etwas groesser als ein Bagette und wird ebenfalls besser gleichentags genossen. Bei groesseren Baeckereien gibt es sogar verschiedene Brote. Danach wird mal wieder gearbeitet. Michi motzt die neuen Schilder zurecht, dass sie in unsere Halter passen und Sonja schreibt am PC. Spaeter suchen wir im Zentrum ein Internetcafe. Schlussendlich landen wir bei der Pension Athena die einen Internetanschluss hat. Die Gaeste machen sich grad auf den Weg zu den Ruinen der alten Stadt und der junge Besitzer ist ueber unseren Besuch hocherfreut und quatscht begeistern ueber Computer und Techlogogie. Sonja checkt mal unsere Mails, waehrend Michi sich mit dem Besitzer unterhaelt. Als er erfaehrt, dass wir einen Laptop haben, ist er ganz aus dem Haeuschen und wir muessen ihm versprechen heute Abend nochmals mit dem Laptop zu kommen.
Mitte Nachmittag machen wir uns auch auf um die Ruinen von Pergamon. Dieser Huegel wurde schon im 8. Jh v.Chr. von Griechen besiedelt, aber erst im 3. Jh. V.Chr. gewann es an Bedeutung. Der Machtbereich dieser Stadt stieg staendig und um 190 v.Chr. wurde die Haelfte Kleinasiens von Pergamon regiert. Auch das Pergament soll hier seine Urspruenge gehabt haben. Beeindruckende Wassersysteme hatten sie hier konstruiert um das wichtige Nass auf die Huegelspitze zu bevoerdern. Es windet hier oben noch viel staerker als im Ort und wir duerfen uns nicht zu weit ueber den Rand der Mauern lehnen. Einiges ist erhalten und einiges wieder zusammengestellt und aufgebaut worden.
Spaeter fahren wir also nochmals zur Pension Athena. Wir koennen unseren Laptop hier sogar mit dem Schnurlosen Internet verbinden Der Chef studiert unser Teil sehr lange und ausfuehrlich, probiert jegliche Internetseiten aus und ist voellig fasziniert. Er moechte unbedingt eines kaufen. In der Zwischenzeit sind einige Rucksacktouristen aufgetaucht und wir kommen mit einigen ins Gespraech. Da gibt es Deutsche, eine Welschschweizerin, Neuseelaender und Kanadier. Es entstehen lustige Gespraeche und es wird abwechselnd Englisch, Franzoesisch und Deutsch gesprochen.



Donnerstag 14.10.2004


Wir nehmen es gemuetlich am Morgen und fahren erst kurz vor Mittag weiter. Vorbei an Izmir, teilweise am Meer, dann wieder zwischen Feldern entlang.
Unser naechstes Ziel ist Ephesos. Gegen Ende des 1. Jh. v.Chr. hatte Ephesos rund 300'000 Einwohner und war einer der wichtigsten Haefen ind er Aegaeis. Die Versandung des Hafens setzte dem Reichtum der Stadt ein Ende. Heute liegen die Ueberreste einige Kilometer Landeinwaerts, dafuer gilt es als besterhaltenste aller klassischen Staette. Am beruemtesten ist wohl die Celsus Bibliothek mit Ihrer reich verziehrten Fassade Leider verdeckt ein Huegel schon bald die Abendsonne, was fuer Sonja keine schoenen Lichtverhaeltnisse zum fotografieren mehr gibt. Trotzdem ist das bummeln durch diese interessante Staette spannend. Immer wieder gibt es Dinge zu entdecken. Ein ganz grosses Gebiet ist abgesperrt und wird neu ausgegraben. Wir sind beeindruckt.
Ein Campingplatz am nahen Strand wurde uns emfhohlen, so fahren wir also mal dahin. Eine riesige Caravantour aus Deutschland hat sich hier platziert, aber wir finden ein Plaetzchen mit freier Sicht aufs Meer.



Freitag 15.10.2004


Ein bischen laenger schlafen ist heute angesagt. Danach sind wir ein paar Stunden in und um’s Fahrzeug beschaeftigt. Es wird zunehmend windiger und etwas frisch. Seit ein paar Tagen machen wir eine Entgiftungskur, was wohl der Grund ist, dass wir nach dem bischen Arbeit schon schlapp machen. Deshalb schaffen wir es auch nicht in das 7 km entfernte Selcuk.
Nach einem Abendessen im Restaurant hoeckeln wir noch mit einem, vom Leben gezeichneten, Berlinerehepaar zusammen. Sie sind ganz einfache Camper und reden wie ihnen der Mund gewachsen ist.



Samstag 16.10.2004


Im Vormittag brechen wir auf und gehen im nahen Touristenort einkaufen. Und zwar in der MM Migros, da staunt Ihr was?! Der Inhaber von Migros Tuerkei hat anscheinend in der Schweiz bei dem Grosskonzern das Handwerk gelernt, wurde uns berichtet. Es gibt zwar keine schweizer Migrosprodukte aber viel Auswahl und ein paar internationale Marken wie Nescafe, Jacobs, Lipton, Dr. Oetker etc. Diese Artikel viel teurer. Wir kaufen meist eh einheimische Artikel, denn man muss ja ausprobieren.
Oestlich geht’s nun weiter ins Landesinnere. Wir wollen uns die beruehmten Kalchterassen in Pamukkale ansehen. Nach ca. 4 Stunden Fahrt haben wir diese erreicht. Obwohl es schon fuenf Uhr ist laufen noch zig Touristen hoch. Duenkt uns komisch, da sonst all die Sehenswuerdigkeiten so um halb sechs schliessen. Also erst mal die Lage peilen. Der Pfoertner vom unteren Eingang erzaehlt uns, dass diese Anlage 24 Stunden geoeffnet sei und in der Nacht mit Scheinwerferlicht angestrahlt. Das ist ganz was neues. Wir fragen ob wir denn mit dem gleichen Ticket jetzt noch schnell raufgehen koennen und morgen bei Tageslicht. Normalerweise nicht, aber er Stempelt das Ticket fuer uns vor, dafuer muessen wir Morgen den oberen Eingang benutzen. Mit der Kamera und dem Stativ bewaffnet marschieren wir also hinauf. Die Sonne ist gerade am untergehen. Oben wollen wir einen Kaffee oder Tee trinken. Wir fragen einen Taxifahrer, wo dies denn moeglich sei. Weiter hinten beim Thermalbad. Da winkt der andere Taxifahrer und bedeutet uns zu warten. Hinter einem Steinmaeuerchen hat er sich einen Kocher mit allem Noetigen installiert. In 10 Minuten koennen wir Tee trinken sagt er. Gemeinsam mit ihm setzen wir uns auf die Bank. Er erzaehlt aus seinem leben. Er spricht Englisch und freut sich mit uns zu plaudern. Immerhin fuer den Zucker koennen wir ihm dann etwas bezahlen. Als es dunkel ist kommt eine Franzoesin auf uns zu und moechte wissen wie es mit dem Scheinwerferlicht ist. Mittlerweile sind wir ganz alleine. Alle Cars inklusive Touristen sind abgefahren. Das Scheinwerferlicht ist etwas spaerlich, es reicht jedoch um den Pfad hinab zu finden. Uebernachtet wird gleich auf dem Parkplatz unterhalb den Kalchterassen.



Sonntag 17.10.2004


Wir stehen frueh auf und fahren gleich zum oberen Eingang. Bei Morgenlicht laufen wir an den oberen Kalchterassen entlang. Die ersten Busladungen Touristen sind auch schon da. Die vielen Besucher in Vergangenheit haben die Becken beschmutzt und heute darf man nur noch auf einem Pfad dazwischen und sonst aussenrum laufen. Die UNO hat den Rest zu einer Schutzzone erklaert. Ueberall stehen Schilder in mehreren Sprachen und es gibt Waechter die darauf achten, dass die Regeln beinhaltet werden. Doch da kommt doch wieder so eine Ladung Touristen und einige gehen schnurstraks zu den Pools die man nicht betreten darf. Wir trauen unseren Augen kaum. Da kein Waechter zu sehen ist, macht sich Sonja auf einen aufzutreiben. Der arme Kerl hat ein Problem mit dem Bein und rennt hinkend herbei. Er pfeift durch eine Trillerpfeife und winkt wie wild. Doch die Touristen schauen kaum her und tun unwissend und unschuldig. Der Mann erklaert uns, dass alle Fremdenfuehrer ausdruecklich erklaeren wo man langlaufen darf und wo nicht. Wir koennen kaum glauben wie arrogant so viele Touristen die Regeln ignorieren. Grauenhaft!
Wir legen eine Pause ein und genemigen uns ein Fruehstueck in unserem Fahrzeug. Spaeter laufen wir noch durch die Ruinen der ehemaligen Stadt Hierapolis die durch ein Erdbeben ziemlich zerstoert wurde. Abschliessend sehen wir uns die Pools noch im Mittaglicht an. Danach wollen wir weiter suedlich an die Kueste.
Seit gestern hatte unser Fahrzeug wieder ein paar aussetzer. Bevor wir abfahren reinigt Michi den hinteren Dieselfilter, da wir diesen als Fehlerquelle beurteilen. Kaum fahren wir los bricht die Dieselzufuhr aber immer wieder zusammen. Schlussendlich stehen wir ca. 4 Kilometer nach Pamukkale am Strassenrand und Michi guckt sich den vorderen Dieselfilter an. Es muss wohl an diesem liegen und somit wird er ausgewechselt. Wieder auf der Strasse ist es aber immer noch nicht besser. Ruckartig fahren wir Meter um Meter bis wir eine gute Stelle finden um von der Strasse zu fahren. Nun heisst es also „Uebergwaendli“ zu schnallen und die Werkzeugkiste hervorzunehmen. Michi kriecht drunter und schimpft wie ein Rohrspatz, da immer die Schrauben und Teile an die er kommen will, schwer zu erreichen sind. Es geht nicht lange und es kommt einer und kriecht auch beinahe unter den TCM. Er will irgendwie helfen und wetzt bald ab um spaeter mit einem Englischsprechenden Man wieder zu kommen. Mittlerweile hat Michi aber die Dieselpumpe vom Motor ausgebaut. Hier gibt es einen kleinen Vorfilter der total verstopft ist. So konnte der Diesel ja nicht durchlaufen. Wir wussten gar nicht, dass wir so ein Teil hatten. Sonja putz das also aus und Michi setzt es wieder zusammen. Nachdem Michi wieder einigermassen sauber ist ( ausgerechnet heute ist es noch heiss um solche koerperanstrengenden Verwindungen zu machen ) fahren wir erwahrtungsvoll los. Siehe da, der Motor schnurrt und aus dem Auspuss kommen schwarze Wolken. Wer haette gedacht, dass wir mal froh um schwarze Ausgaswolken sind!
Mittlerweile im Feierabendverkehr fahren wir durch Denizli Richtung Fethiye. Bald biegen wir von der Ueberlandstrasse ab und nehmen eine kleine Landstrasse die in die Bergen fuehrt. Mitten im Foehrenwald gibt es eine Picknickstelle mit Brunnen. Hier parkieren wir und kochen uns das Nachtessen. Es fahren fast keine Autos auf dieser Strasse vorbei. Somit wird es wohl eine ruhige Nacht werden.



Montag 18.10.2004


Die Nacht war wirklich totenstill. Aus unerfindlichen Gruenden konnte Michi aber viele Stunden nicht einschlafen. Ein kurzes Fruehstueck und dann geht’s weiter. Die Landschaft ist wunderschoen. Viel Wald und immer wieder schoen gepflegte Felder. Die Strasse steigt auf mittlerweile 1500 Meter an. An einigen kleinen Doerfern kommen wir vorbei. Alle Frauen tragen hier natuerlich Kopftuecher und lustige Pluderhosen. Die Maenner sehen wir oft im Anzug, ausser sie arbeiten auf den Feldern. Viele winken uns freundlich zu. Es sind aber fast nur aeltere Menschen. Auch hier herrscht wohl die Landflucht. Die Huetten hier sind sehr spaerlich gebaut und wohl auch so eingerichtet. Bei einigen steht ein Brunnen draussen, also nehmen wir an fliessend Wasser in den Huetten kennt man hier nicht. Die Laubbaeume haben schon begonnen ihr Kleid zu aendern, somit koennen wir uns an den vielen verschiedenen Farben und Formen kaum sattsehen.
Da, ein alter Mann am Strassenrand, er winkt. Er moechte zum naechsten Ort, Cameli. Wir nehmen ihn mit. Leider koennen wir nicht sehr viel reden, da er nur tuerkisch spricht. Jedenfalls ist er sehr froh ueber den Lift.
Mittlerweile gibt es kaum mehr Verkehr hier, die Gegend ist sehr einsam und der Wald hat die Berghaenge wieder eingenommen. An so einem idyllischen Plaetzchen essen wir noch zu Mittag bevor wir uns in die turistischen Strandorte aufmachen.
Fethiye ist sehr gross deshalb fahren wir gleich weiter zu dem schoenen Strand Oeluedeniz. In einem kleinen einfachen Campingplatz beziehen wir quartier.
Bilder in Gallerie 4



Dienstag 19.10.2004


Unsere Zeltnachbaren sind ein junges Paar aus Holland, ein Fahrradfahrer der auf dem Weg von Suedafrika nach Schweden ist und ein Englaender der mit dem Motorrad auch Richtung Osten unterwegs ist. Mit den Hollaendern haben wir gestern Abend noch lange gesprochen, sie haben zu Hause auch alles aufgegeben und wollen ein paar Jahre unterwegs sein. Sie sind bis hier mit einem PW gefahren, wollten das Auto aber hier verkaufen. Leider ist das aber nicht so einfach. Nach x-Telefonaten bleibt nur noch die Moeglichkeit das Fahrzeug beim griechischen oder tuerkischen Zoll abzugeben, ohne dass sie hohe Zollgebuehren bezahlen muessen.
Schon am Morgen ist es heiss und man kann gleich zu beginn des Tages in T-shirt und Shorts rumlaufen. Nach dem Fruehstueck bearbeiten wir Texte und Bilder fuer die Homepage. Zwischendurch schwatzen wir mit den Hollaendern. Sie sind mit dem aussortieren Ihrer Sachen beschaeftigt. Denn ohne Fahrzeug koennen sie nicht mehr alles mitnehmen. Wir erben etwas Kaffee, Tee, Becher und Besteck. Sie wollen noch heute Nachmittag Richtung Flughafenzoll fahren.
Wir hingegen, machen uns am Nachmittag auf, um das turistisch angelegte Dorf am Strand zu besuchen. Zum Glueck gibt es hier viele Touristen, denn so koennen wir wieder einmal Checks einloesen. Der Internetzugang ist nicht gerade der beste. Die Internetverbindung bricht oft ab und wir haben Probleme beim uebertragen der Digitalbilder.
Bei Sonnenuntergang kehren wir zum Campingplatz zurueck. Die Hollaender sind weg, dafuer ist eine Tschechische Familie mit Jeep und Dachzelt angekommen. Doch siehe da, die Yvonne und Jerome fahren wieder vor. Sie seien zu spaet weggefahren , hatten etwas gegessen und wollten nicht in der Dunkelheit fahren. Wir freuen uns, denn so gibt es wieder einen gemuetlichen Abend zusammen.
Zum ersten Mal baeckt Sonja einen Lauchkuchen, der Teig wird selbst hergestellt und wir sind ueberrascht ueber den koestlichen Geschmack. Auch unseren Tischnachbaren mundet es gut. Es gibt lustige Erzaehlungen von unseren Reiseerlebnissen. Die Tschechen setzen sich dann auch noch dazu und so wird es spaete Nacht bis wir etwas Schlaf finden.



Mittwoch 20.10.2004


Yvonne und Jerome sind tatsaechlich schon in aller hergottsfruehe losgefahren.
Heute geniessen wir im Schatten der grossen Eukalyptusbaeume das nichts tun. Das Buch ist fesselnd, so spannend, da muss man einfach Seite um Seite durchlesen ohne sich ablenken zu lassen. Auf einen Drink und um den Sonnenuntergang zu bestaunen, gehen wir zur Strandpromenada. Den Abend verbringen wir mit unseren tschechischen Nachbarn. Vor zwei Jahren ist er mit seiner Familie mit einem selbst gebautem Unimog von Suedafrika bis nach Hause gefahren. So haben wir natuerlich viel interessanten Gespraechsstoff.



Donnerstag 21.10.2004


Da wir gestern faul waren, wird halt heute morgen noch einiges gemacht: Schmiernippel fetten, Schrauben anziehen, Post vorbereiten, putzen etc. Als erstes fahren wir zur Poststelle. Der Poestler wiegt unser Paket, doch aus irgendeinem Grund kann er es nicht annehmen, wir sollen zu einer groesseren Poststelle, sagt er uns. Tja, dann. Wir nehmen die kleine Strasse die hinter Oeluedeniz an der Kueste entlang fuehrt. Bald wird die Strasse aber immer schlechter, bis sie nur noch aus gestampfter Erde besteht. Wir zweifeln, dass es sich um die Strasse auf der Karte handelt und fragen einen entgegenkommenden Deutschen. Tatsaechlich fuehrt diese Strasse nur zu einem traumhaft schoenen Strand ist dann aber eine Sackgasse. Da wir heute noch einige Kilometer fahren moechten, verzichten wir auf einen Besuch an diesem Strand und wenden.
Die Hauptstrasse fuehrt etwas ins Landesinnere. Immer wieder wechseln sich grosse Foehrenwaelder mit grossflaechig angelegten Gemuesefeldern und Gewaechshaeusern ab. Gegen den spaeteren Nachmittag fuehrt uns die Strasse wieder ans Meer.
In Kas, laut Reisefuehrer eines der schoensten Hafendoerfer, genehmigen wir uns einen Tee. Der Hafen, der nahe Park und die Shops sind sehr schoen gepflegt. Es hat auch viele Touristen und der Tee kostet hier erheblich mehr als in einem Teehaus. Hier in dem mit Bussen und Pw’s ueberfuelltem Hafengelaende koennen wir kaum in Ruhe die Nacht verbringen. Deshalb fahren wir die steile Strasse hinter dem Dorf in die Huegel hinauf. Da entdecken wir den Aussichtspunkt ueberhalb des kleinen Staettchens. Es hat gibt sogar Tisch und Bank. Ideal fuer uns. Wir geniessen freie Sicht auf’s Meer und auf Kas. Ab uns zu kommen Leute die sich die Aussicht ansehen wollen, aber ansonsten haben wir unsere Ruhe.



Freitag 22.10.2004


So zwischen 200 und 300 Metern ue.M. fuehrt die Strasse durch leicht besiedeltes Landwirtschaftsland bis sie wieder hinabfuehrt und die groessere Stadt Kale erreicht. Hinter dem Ort gibt es Ueberreste der antiken Stadt Myra zu sehen. Bereits im 5. Jh. v.Chr. wohnten hier Siedler. Diese Stadt entwickelte sich mit dem Hafen Andriake zu einem bedeutenden Ort in byzantinischer Zeit. Durch Erdbeben und Flussablagerungen wurden die Gebaeude zunehmend zerstoert. Heute ist das roemische Theater noch recht gut erhalten. Wir wollten aber vor allem einmal die Felsengraeber sehen. An einem Ort sind ganz viele davon ueber und nebeneinader in die Felswand gebaut worden. Bei allen wurden Gibel ueber dem Eingang errichtet, die tempelaenliche Verziehrungen aufweisen.
Nach diesem Besuch geht es weiter, nun wieder am Meer entlang folgend. Doch nach ein paar Kilometern erreichen wir eine Strassensperre. Der junge Soldat spricht Deutsch und Englisch. Er erklaert uns, dass an der Strasse gesprengt wird und diese darum fuer 2-3 Stunden gesperrt ist. Wir kennen das ja schon und regen uns ueberhaupt nicht auf. Interessanterweise wurde diese Sperre direkt bei einem Restaurant eingerichtet. Es ist kurz nach Mittag und wir nutzen also diese Gelegenheit fuer ein Essen. Eine Speisekarte scheint es nicht zu geben. Es gibt auch nur Fisch oder Huhn. Der Fisch ist gegrillt und schmeckt ausgezeichnet. Amuesiert lauschen wir einem Briten, der seiner Frau soeben erklaert, dass diese Sperre ja nur ein Vorwand sei, damit das Restaurant besucht werde und Umsatz macht. Typisch Mitteleuropaer, gleich das schlimmste annehmen. Nachdem der Wirt die Polizei und die Gendarmerie geschmiert haette, bliebe kaum mehr etwas von dem Gewinn uebrig...und wie lange wuerden die Einheimischen wohl dieses Theater mitmachen? Ideen gibt’s...Als uns der Wirt dann die Rechnung praesentiert sind wir ueber den Touristenpreis etwas veraergert. Auf Sonja’s Einwand in tuerkischer Sprache, das sei viel zu teuer, reagiert er jedenfalls promt und versucht sich zu rechtfertigen. Tja, was lehrt uns das? Immer zuerst nach dem Preis fragen!
Mittlerweile warten schon sehr viele Fahrzeuge. Ploetzlich kommt hektik auf. Die Sperre ist aufgehoben und jeder will nun natuerlich der erste sein. Wir warten bis alle vorbei sind und fahren dann hinter der Polizei her. Auf den folgenden 15 Km wird ueberall Fels abgetragen um die Strasse zu verbreitern. Viel Schutt liegt noch auf der Strasse, so dass die Fahrbahn oft nur einseitig befahrbar ist. Der Kuestenstreifen rechter Hand ist meist mit Felsen besetzt, das Wasser aber klar und mit herrlichen Farben verziehrt. Irgendwann geht’s dann wieder ziemlich in die Hoehe. Auch hier gewaltige Felswaende mit Foehrenwald nicht ganz bis zu den Gipfeln bedeckt.
Bei dem Verzweiger Cirali biegen wir ab. Die schmale Strasse fuehrt steil hinab, durch beinahe urwaldaenliches Gewaechs. Auf Meereshoehe angekommen, sehen wir zwar den Strand noch nicht, dafuer aber einige Cafes, Pensionen und Hotel. Alle aber ziemlich klein gehalten und meist mit einem Hippietouch versehen. Von der rechten Seite der Bucht gelangen wir zum breiten Sandstrand. 4 Camper aus Deutschland stehen schon da. Wir erfahren, dass man hier stehen bleiben kann. Der Strand ist wirklich breit und bietet viel Platz, so dass man sich schoen verteilen kann. Da die Buch zwischen hohen Huegeln eingebettet ist, geht leider die Sonne schon frueh unter.



Samstag 23.10.2004


In der Nacht hatte es wieder etwas abgekuehlt, aber sobald die Sonne hervorkommt wird es sehr warm. Wir geniessen das Strandleben. Um die Mittagszeit herum spaziert ein Mann in der Naehe herum. Erst auf unseren Gruss kommt er jedoch zu uns heran. Es ist der Besitzer der Pension gleich an der Strasse. Wir schatzen ein bischen ueber dies und das. Auf unsere Frage nach einem Internetcafe, meint er, wir koennten seinen Computer benuetzen. Also gehen wir in einer halben Stunde zu dieser Pension Plaj. Orbay kommt uns schon entgegen. Kaum sitzen wir an seinem PC bringt er eine Schachtel mit einem neuen Drucker. Er erklaert Michi, dass er nicht weiss wie man diesen Installiert. So verbringen wir also die meiste Zeit mit installieren dieses Druckers. Orbay ist eine ganz angenehme Person und freut sich sehr ueber unsere Hilfe. Zum Dank pflueckt er aus seinem Garten ein paar Orangen und Granataepfel die er uns schenkt. Auch zum Tee werden wir eingeladen und erfahren einiges ueber seine Familie die von hier stammt. Diese Pension macht einen sehr guten und gepflegten Eindruck. Gaeste wuerden auch vom Flughafen Antalya abgeholt werden. Hier die Adresse: www.geocities.com/plajpansiyon Bitte Fax benuetzen.
Am Nachmittag haengen wir noch an der Beach rum und fahren erst beim Eindunkeln zu den Flammen der Chimaera hinauf. Das heisst man muss zuerst ein Stueck den Hang hinauf steigen bis einige Ruinen und das Flammenfeld erreicht. An mehreren kleinen Loechern tritt Gas aus, das bereits im innern des Berges brennt. Je dunkler es wird, desto spektakulaerer sehen die Flammenzuenglein aus. Ein paar Touristen haben sogar Kartoffeln mitgebracht, die sie in die Flammen legen. Noch bevor es ganz dunkel wird steigen wir jedoch hinab.
Zurueck an unserem Plaetzchen, machen wir ein schoenes Lagerfeuer und weihen unser Dreibein ein. Es werden marinierte Steaks mit Folienkartoffeln mit Tzaziki gebrutzelt. Mhh!! Bei fast Vollmondlicht, fast alleine an einem so idyllischen Ort, es gibt kaum etwas schoeneres.



Sonntag 24.10.2004


Blauer Himmel und Sonnenschein weckt uns sanft. Fruehstueck bei Sonnenschein, etwas Baden und in der Sonne liegen. Wohl wissend, dass wir das bald nicht mehr haben koennen. Auch diesen Abend gibt es ein Feuerchen, diesmal mit Haenchen vom Grill. Mit dem eben erst erstanden Wein stossen wir auf Michi’s Schwester an, die heute Geburtstag hat.



Montag 25.10.2004


Schweren Herzens verlassen wir diesen huebschen Platz hier. Doch wir wollen viele Kilometer fahren und sind drum frueh aufgestanden. Kurz vor Antalya gibt es bereits viele Hotels an schoenen Straenden. Antalya selbst ist eine sehr grosse Stadt. Wir fahren fast quer durch, was aber bei den mehrspurigen und breiten Fahrbahnen kein Problem ist. Einer auf dem Motorrad verfolgt uns und ruft uns im besten Deutsch zu. Wo wir hin wollen und was fuer ein tolles Fahrzeug das sei. Netterweise bezeichnet er uns noch den Weg durch die Stadt hindurch. Auch nach Antalya reiht sich bald ein Ferienresort an das naechste. Die Straende sind zwar nicht so voll wie im Sommer doch es hat immer noch viele Feriengaeste. Hier koennten wir uns kaum am Strand hinstellen. Dazu wuerden wir gern in einen Campingplatz. Wir kommen gut vorwaerts und fahren drum an Alanya vorbei bis nach Anamur. Im Pullu Camping sind wir ausser fest installierten Deutschen die einzigen. Im dunkeln entsorgen wir das Abwasser und unsere Toilette in der sanitaerischen Einrichtung. Sonja muss wieder einmal mehr kalt Duschen. Warum aber bei den Maennern heisses Wasser kam, koennen wir uns nicht erklaeren. Puh, vom fahren heute sind wir schoen geschafft, nur noch schnell etwas essen und ab ins Bett. Doch kaum haben wir fertig gegessen kommt der Campingmanager und setzt sich zu uns. Er ist Kurde und in einem Kauderwelsch zwischen ganz wenig Englisch, Kurdisch und Tuerkisch machen wir Konversation. Mit Hilfe des Tuerkischfuehrers koennen wir einiges Uebersetzen. Er sagt uns, dass er den Ramadan einhaelt. Einen Kaffe und etwas Schweizer Schokolade nimmt er aber von uns an. Und spaeter holt ihn die Frau ab, da das Essen fertig sei. Endlich koennen wir uns in die Koje schwingen.



Dienstag 26.10.2004


Dieser Campingplatz hat eine eigene kleine Bucht mit einem huebschen Strand, es waere zwar verlockend hier zu bleiben, doch wir moechten noch irgendwo an der Waerme einen Teil unserer Waesche waschen. Und hier gibt es keine Maschine. Deshalb fahren wir weiter. Die Strasse schlaengelt sich eng am Berg entlang. Tief unten liegt die hier schroffe Felskueste. Wir sind mittlerweile am suedlichsten Punkt der Tuerkei angelangt, was wiederum die noerdlichste Bananenanbaugrenze ist. Zwischen den Foehrenwaeldern gibt es also immer wieder mal Bananenfelder. Als es flaecher wird finden wir kurz vor Tascucu einen kleinen sauberen Campingplatz. Es stehen bereits ein paar Camper hier. Wir kommen noch frueh am Nachmittag an somit kann die Waesche bis am Abend hoffentlich trocknen. Nach einem kurzen bad fahren wir in den Ort um uns Geld zu besorgen und etwas einzukaufen. Beim eindunkeln sind hier ganz viele Leute unterwegs oder sitzen im Park. Wir gehen zu einer Imbissbude und probieren einen Boerek. Schmeckt koestlich. Zurueck im Campingplatz geniessen wir den lauen Abend mit Blick auf’s Meer. Wann sehen wir es wohl wieder, das Meer?



Mittwoch 27.10.2004


Bald nach der Weiterfahrt beginnen nun die Vororte von Mersin. Das bedeutet tonnenweise Hochhaueser direkt am Meer gebaut. Da unser Kuehlschrank fast leer ist, kaufen wir nochmals ein. Michi geht es nicht so gut, deshalb faehrt Sonja die ganze Zeit. Um schneller Richtung Kappadokien zu kommen nehmen wir die Autobahn ein Stueck weit. Der Weg fuehrt uns nun ins Taurusgebierge hinein. Bald schon sind wir auf 1100 m.ue.m. Abgesehen von kleinen Doerfern gibt es noch ein paar Sommerhauser der Staetter. Gegen fuenf Uhr verlassen wir die Autobahn um ein Plaetchen fuer die Nacht zu finden. Bei einem Bach in der Naehe der Strasse werden wir fuendig.



Donnerstag 28.10.2004


Schon fast kalt wird es hier oben in der Nacht. Doch am Morgen ist der Himmel wieder blau und die Sonne waermt uns auf. Die Strasse fuehrt uns bald auf ein Hochplateau wo vor allem Kohl und Kartoffeln angebaut werden. Auch noch einen Pass ueberqueren wir der 1600 Meter hoch ist. Die Gegend hier ist ziemlich flach und recht karg. Kaum mehr Vegetation ausser die angepflanzten Felder. Anfang eines Ortes halten wir an um schnell etwas zu essen. Kaum ausgestiegen sind schon ein paar Kinder da die uns neugierig begutachten. Sie bringen uns Kuerbiskernen und wir revanchieren uns mit etwas Schokolade. Dann kommen sie mit noch mehr Kernen und Birnen und Aepfel, vermutlich frisch vom Baum hinter dem Haus. Auf ihre paar Worte Englisch sind sie maechtig stolz, endlich kann es praktisch erprobt werden. Nachdem wir uns aber in unser Kabaueschen zurueckziehen, entfernen sie sich auch.
Wir muessen nicht mehr sehr weit fahren bis wir die Tufflandschaft erreicht haben. Der Kaya Campingplatz wird sehr empfohlen deshalb beschliessen wir hierher zu kommen. Der Besitzer spricht gut Deutsch und Englisch und ist sehr nett. Ein paar Deutsche fahren noch am Nachmittag, und am Abend kommt ein Uebrlandbus voll mit jungen Englaendern. Und vorbei ist’s mit der Ruhe.



Freitag 29.10.2004


Wir sind schon um sieben wach und hoeren zu unserem Bedauern die Regentropfen auf unser Dach trommeln. Sehr behaebig klettern wir aus unserem warmen Bett. Das Fruehstueck wird drin genossen. Fuer Sonja ist es definitiv schon zu kalt. Zum Glueck hat der Camping eine ueberdeckte Gemeinschaftskueche, so koennen wir die Zeit nutzen um die Eintraege fuer die Homepage vorzubereiten.




Samstag 30.10.2004


Gestern gegen fuenf Uhr Nahmittags hatte der Regen doch noch aufgehoert und die Sonne liess ihr schoenes Abendlicht durch die aufreissende Wolkendecke scheinen. Sofort haben wir dann die Fotoausruestung gepackt und sind in das Tal unterhalb des Campings hinabgestiegen. Wir waren ganz allein im Tal und haben nicht schlecht ueber die bizarr geformten Gesteinsformationen gestaunt, wo immer wieder Loecher und Wohnungen zu sehen wind. Ab und zu sind wir zu den Felsen hinaufgeklettert. Dabei haben wir eine gut erhaltene Kirche tief im Felsen drin gefunden.
Heute nun, da lockert sich die Wolkendecke etwas auf. Wir hoffen sehr, dass es nicht mehr regnet und machen einen Ausflug in das weit suedlich gelegene Tal Soganli. Ein paar Leute leben hier noch in Felsenwohnungen. Auch die neuen Huetten sind am Felshang gebaut worden. Sehenswert sind hier vor allem die vielen Kirchen und Wohnungen die frueher in den Tufffelsen angelegt wurden. In diesem Gebiet versteckten sich bereits zu roemischer Zeit die Christen. Auch waehrend den Arabereinfaellen vom 7. bis 9. Jh. hatten sich die Menschen in den Hoehlen versteckt. Es wurden sogar mehrstoeckige unterirdische Staedte angebaut um bei einem Angriff buchstaeblich „vom Erdboden zu verschwinden“.
Wir kraxeln also ein bischen am Steilhang herum und staunen immer wieder ueber die, mitten an glatten und hohen Felswaende, eingebauten Fenster und Tueroeffnungen. Die paar eingeschlagenen Hand und Fuss Vertiefungen duenken uns jedenfalls nicht sicher genug um den Aufstieg auszuprobieren. Der Zugang zu den Kirchen hingegen, ist meist einfacher, manchmal wurden sogar Tritte in den Stein gemeiselt. In einigen der Gotteshaueser kann man noch ueberreste von farbig bemahlten Wandmalereien sehen. Auch haben die Kirchen hier wohlklingende Namen wie; Schlangenkirche, versteckte Kirche, Kirche mit Hirsch oder Santa Holy Barbara. Tatsaechlich hat Michi einmal hinter einer Kirche (es war aber nicht die Schlangenkirche) eine schwarz geringelte Schlange aufgeschreckt. Sie hat sich aber sogleich unter einen Felsen verzogen. Hier haben die Viecher ja noch Respekt vor uns Menschen, mal sehen wo das aendert...
Am Anfang des Dorfes liegt ein idyllisches Restaurant am Bach, inmitten zahlreicher Apfelbaeumen. Hier erhalten wir ein koestliches lokales vier-Gang Menue. Kurz vor Sonnenuntergang kehren wir zum Camping zurueck.
Ein Franzosenpaar, das sich eine Felsenwohnung in der Naehe gekauft hat, ist schon lange hier einquartiert. Da sie die Wohnung selbst renovieren, hoeren und sehen wir von ihnen kaum etwas. Gleichentags wie wir ist noch ein deutsches Ehepaar mit Camper eingetroffen. Auch ein alter umgeruesteter Truck, voll mit Englaendern und Neuseelaendern macht hier Zwischenhalt. Die machen eine organisierte Tour, von Istanbul nach Kairo. Es sind fast nur junge Leute, leider auch dementsprechend unhoeflich und laut.
An diesem Abend sitzen wir mit den Deutschen Anneme und Dieter und dem Campingleiter Yasar zusammen. Michi repariert das soeben erstandene secondhand Laptop von Yasar. Bei kappadokischem Wein gibt es eine interessante Gespraechsrunde bis spaet in die Nacht hinein.



Sonntag 31.10.2004


Anhand dem wolkenlosen Himmel, verspricht es ein schoener sonniger Herbsttag zu werden. Nach dem Fruehstueck gibt es fuer uns erst mal wieder eine geschaeftige Arbeitsrunde; Bremsfluessigkeit und Motorenoel nachfuellen, Leck beim Kuehlwasser finden, Schrauben nachziehen, Waesche waschen, Haare faerben etc. Sonja tischt zu Mittag ein turkisches Gericht mit dem wohlklingenden Namen „Der Imam fiel in Ohnmacht“ auf. Von unseren deutschen Nachbaren werden wir zum Kaffee eingeladen. Sie haben alles dabei um herrlichen Latte Macchiato und Cappuccino zu servieren.
Nun machen wir uns aber auf, das Tal unter dem Campingplatz noch ganz zu erkunden. Letzte Nacht wurde ja die Zeit umgestellt und nun geht die Sonne bereits um fuenf Uhr unter. Im Tal unten kommen wir uns wie in einer anderen Welt vor. Wir entdecken hunderte von Felsenwohnungen. Die meisten sind jedoch so hoch oben in den Tufffelsen eingebaut, dass wir keine Chance haben dorthin zu gelangen. Wie sind wohl frueher die Christen in ihre Wohnungen gekommen? Gab es geheime Hoehleneingaenge? So viele Fragen...Wenn man doch nur einmal kurz diesen Ort vor tausend Jahren sehen koennte...Einmal entdeckt Michi eine Art Liftschacht. Die erste Etage ist aber mit Holz verrammelt. Ob man nach vorne, zurueck oder in die kleinen Seitentaeler blickt, immer gibt es neues zu entdecken. Die Felsformationen varieren immer wieder und zeigen verschiedene Formen, Groesse und Schattierungen. Langsam geht die Sonne unter und die ganze Landschaft bekommt einen mystischen Touch.
Nach dieser 3 stuendigen Wanderung, kochen und essen wir zusammen mit Anneme und Dieter. In der Nacht wird es recht kalt, aber im geheizten Wohnmobil laesst es sich noch lange gemuetlich hoeckeln und schwatzen.



Montag 01.11.2004


Anneme und Dieter sind vor uns abfahrbereit. Sie machen sich auf den Weg Richtung Heimat. Bevor wir losfahren, beschaffen wir uns noch etwas Geld und fuellen unseren Wasservorrat auf. Den Kaya Camping koennen wir also waermstens empfehlen: GPS Koordinaten: N 38° 38.205 E 034° 51.247, e-Mail: kayacamping@www.com.
Als wir losfahren ist uns beiden etwas melancholisch zumute. Dieses Plaetzchen in dieser einzigartigen Landschaft wirkt auf uns so friedlich und einmalig, dass wir gerne noch mehr Zeit hier verbringen wuerden. Andererseits gibt es noch vieles mehr zu entdecken.
Die meiste Zeit durchfahren wir eine recht flache Hochebene, bis es dann erneut ins Gebirge geht. In den Taelern gibt es ein paar abgeerntete Felder, die Berghaenge sind meist steinig und kaum bewachsen. Noch vor dem Eindunkeln fahren wir auf einem Feldweg von der Strasse weg. An einem Berghang finden wir ein Plaetzchen, dass nicht nach Acker aussieht. An vielen Stellen hier in dem Gebiet sieht die Erde wie umgedreht und neu gewaltzt aus. Wir denken uns nichts dabei.
Wir sind gerade schoen am koecheln, als ein Auto vorfaehrt und uns mit Scheinwerfern anleuchtet. Unsere Herzen klopfen staerker und wir sind gespannt wer das wohl sein mag. Den Pfefferspray halten wir vorsichtshalber griffbereit. Es sind Maenner des Oelpipeline-Sicherheitsdienstes. Die Pipline ist erst neu verlegt worden (deshalb der gestampfte Boden). Nach einigem hin und her duerfen wir diese Nacht bleiben.
Hier oben wo sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen, ist der Sternenhimmel phaenomenal! Die Milchstrasse liegt ganz klar leuchtend direkt ueber uns.



Dienstag 02.11.2004


Wir schwelgen in suessen Traeumen als uns ploetzlich Stimmengewirr weckt. Da wir etwas Licht sehen, meinen wir im ersten Moment es sei Morgengrauen und Arbeiter sind gekommen. Doch weit gefehlt! Zwei Pickups werden ihr Scheinwerferlicht auf uns und jemand klopft an die Tuer. Es ist 2 Uhr in der Frueh! Natuerlich sind wir etwas verschreckt. Michi oeffnet nur das hohe Fenster um zu sehen was die wollen. Der eine spricht gut Englisch Sie seien auch von dem Sicherheitsdienst, wohl die zweite Nachtschicht. Dieser koenne uns nicht erlauben hier zu bleiben. Es sei verbotene Zone und fuer uns hier sowiso gefaehrlich. Warum es hier gefaehrlich sein soll, kann er uns aber nicht sagen. Ist vermutlich auch nur ein Vorwand. Also stehen wir etwas gehetzt auf und verstauen alles fahrbereit. Im Flutlicht der Scheinwerfer fahren wir halt weg. Es wurde uebrigens angenommen, dass wir vom roten Kreuz sind.
Mitten in der Nacht fahren wir also die 25 km bis zum naechst groesseren Ort Goeksun. Hier fahren wir eine Tankstelle an. Der Nachtwaechter bedeutet uns gleich, dass wir hier schlafen koennen. Durchfroren wie Sonja mittlerweile ist, liegt sie schlotternd im Bett und findet noch lange keinen Schlaf. Nach ein bischen Schlaf laeutet dann der Wecker zu frueh. Bereits so frueh am Morgen fuehlen wir uns geraedert.
In Kahramanmaras, einer grossen Stadt, erledigen wir Telefonte und machen einen Grosseinkauf bei Migros.
Mittlerweile haben wir das Gebirge hinter uns gelassen und befinden uns auf 700 - 800 M.u. M. Es ist deutlich waermer hier. Beidseits der Strasse wird im grossen Stil Landwirtschaft betrieben.
Kurz vor dem Eindunkeln erreichen wir Birecik. Zufaellig sehen wir ein Schild, dass auf ein Restaurant mit Campingplatz hinweist. Also nichts wie hin. Das Restaurant liegt idyllisch zwischen Obstaeumen direkt am Euphrat. Der kleine Campingplatz ist nicht wirklich in Betrieb. Die Duschen seien kaputt, aber wir koennen ja gerade auf dem grossen Parkplatz stehen bleiben, das werde auch bewacht. Wir sind noch so vollgefressen von zwei Minipizzas, so dass wir leider im Restaurant nichts essen moegen. Dafuer gehen wir Tee trinken. Diesen duerfen wir aber nicht einmal bezahlen. Das ist ja wiedereinmal sehr gastfreundlich.
Mit ein bischen Saeume naehen und lesen verbringen wir den Abend und gehen frueh ins Bett.



Mittwoch 03.11.2004


Abgesehen von den nahen und durchgehenden Strassenarbeiten, war die Nacht ruhig. Um sieben Uhr klingelt der Wecker und wir machen uns fuer die Weiterfahrt bereit.
Die Strassen werden merklich schlechter. Dellen und Flicken lassen unser hart gefedertes Fahrzeug ruetteln und schuetteln. Dank unseren gut gefederten Sitzen werden wir etwas sanfter hin und her geruettelt. Wie es scheint haben Kiesgruben und Steinbrecher Hochkonjunktur. Fast ueberall wird am Ausbau der Strassen gearbeitet. Die tuerkische Regierung hatte versprochen, bis Ende 2004 etwa 6000 km Strassennetz auszubauen. Uns wurde erzaehlt, dass dies jedoch kaum eingehalten werden kann.
Fuer uns wirkt das Land links und rechts der Strasse unwirtlich. Doch es gibt ueberall umgeackerte Felder, also wird hier wohl Getreide angebaut.
Wir erreichen, das 30 km vor der syrischen Grenze gelegene, Sanliurfa noch vor dem Mittag. Nach einigem hin und her finden wir einen Parkplatz mitten im Zentrum, nur ein paar Meter von den Sehenswuerdigkeiten entfernt. 3 Mio Parkgebuehren kostet das stehen hier. Nebenan ist gleich die Polizeikaserne, so wird das stehen hier wohl sehr sicher sein.
Als erstes gehen wir in den Bazar, es soll der schoenste in der ganzen Tuerkei sein. Es gibt tonnenweise Gaesschen und Straesschen, die sind nach Waren aufgeteilt. Der Kleidersektor ist riesig, es gibt aber auch die Schumacher, Kupfer-und Goldschmiede, Schneider und Gewuerzhaendler. Nach einigem links und rechts, wissen wir wirklich nicht mehr genau wo wir sind. Als wir bei einem kleinen Friseursalon vorbeikommen, steuern wir geradewegs hinein. Der junge Friseur kommt sofort aus dem Geschaeft gegenueber angetrabt. Schlussendlich sind es zwei junge Maenner die sich riesig freuen uns bedienen zu koennen. Mit Zeichensprache und ein paar Brocken Englisch kann man sich auf einen Haarschnitt fuer Michi einigen. Mit allergroester Konzentration und Sorgfalt wird an Michis Haaren geschnipselt, rasiert und gekaemmt. Ein Junge kommt auch noch dazu und traut sich erst kaum Sonja anzusehen, grinst dann ueber beide Ohren und geht dem Friseur eifrig zur Hand. Die spassige Stimmung ist ansteckend und Sonja kann sich kaum vor Lachen halten, als dann Michi auch noch eine Kopfwaesche aus dem Tonkrug mit Kopfmassage erhaelt. Immer wieder meinen wir, der Friseur ist fertig, doch siehe da, er gleicht hier und dort etwas aus und pudert ueber die rasierte Haut. Als dann noch tonnenweise Parfuemspray ueber Michis Kopf gesprueht wird, muss sich Sonja fest den Mund zuhalten, um nicht laut loszuprusten. Michi will schon aufstehen, aber nein! Der nette Friseur haelt ihn zurueck, das Werk ist noch nicht vollkommen. Erst noch die paar Haerchen an den Ohren mit dem Feuerzeug abbrennen, dann ist er zufrieden und entlaesst uns. Dieser super komplette Service hat kaum etwas gekostet.
So, nun muessen wir wirklich noch ein Kopftuch fuer Sonja finden. Die meisten fertig zugeschnittenen Tuecher sind vielfarbig oder mit glaenzenden Silberfaeden durchzogen, waeh! Doch siehe da, wir stossen doch noch auf ein edles Tuch in dezenten Farben. Das wichtigste haben wir nun.
Mittlerweile vom Hunger geplagt, muessen wir feststellen, dass zwar alle Lebensmittellaeden geoeffnet haben, aber niemand oeffentlich etwas trinkt oder isst. Der Ramadan wird hier strikte eingehalten. Wir finden ein Restaurant wo gerade eine Gruppe Touristen einkehren. Hier koennen wir ohne bedenken etwas essen.
Die Geburtsgrotte Abrahams liegt gleich neben der grossen Halan-Rahman-Moschee. Daran gegliedert liegt ein gepflegter Park mit gruenen Wiesen, Rosenbeeten, Wasserbecken und Pavillions. Die vielen Teehaeuser haben wohl offen, aber niemand trinkt etwas. Um das grosse Wasserbecken Hali Rahman Goelue rankt sich folgende Legende:
Abraham wurde zum Feuertod verurteilt, da er an den Goettern einen Frevel begangen haben sollte. Fuer die schaendliche Tat wollte man ihn mit einem Katapult auf den Scheiterhaufen befoerdern, den man auf dem Burgfelsen oberhalb des Parks errichtet hatte. Doch das Unternehmen misslang. Abraham flog in hohem Bogen durch das Feuer hindurch ins Tal. Um ihn sanft abzufangen, hatte Gott eine Quelle entspringen lassen, in die Abraham wohlbehalten eingetaucht sein soll. Holzglut und Feuerfunken, die mit hinunter kamen, verwandelten sich im Teich zu Fischen, die als heilig angesehen werden und nicht angeruehrt werden duerfen.
Fuer die Aussicht steigen wir auf den Huegel zu den Ueberresten der Burg aus Kreuzfahrer Zeiten hinauf. Von hier oben haben wir eine grossartige Aussicht ueber die Stadt. Wir koennen sogar den TCM sehen, der immer noch brav auf seinem Platz steht.
Um fuenf Uhr dunkelt es ein und ploetzlich herrscht rege hektik. Etwa eine halbe Stunde spaeter sind die Strassen leer, die Laeden geschlossen. Alle sind eilends nach Hause geeilt um endlich etwas essen zu koennen. Bis jetzt haben wir das noch die so eindruecklich erlebt. Wir befinden uns nun im tiefen Osten der Tuerkei und der Ramadan wird auch weiter ostwaerts immer mehr eingehalten werden. Es sind hier auch Maenner mit dem sogenannten „Arafat-Tuch“ auf dem Kopf zu sehen. Das kommt davon, dass hier die Bevoelkerung aus Kurden und Arabern besteht. Sonja wird auch oefters angestarrt. Obwohl auch ein paar einheimische junge Frauen in Jeans und ohne Kopftuch herumlaufen. Die aelteren Frauen tragen alle ein Kopftuch, manche haben sogar den schwarzen Tschador an. Das ist ein riesiges Tuch das bis auf Augen und Nase den ganzen Koerper zudeckt. Fuer die Nacht bleiben wir grad auf dem Parkplatz stehen. Das stoert hier niemand und wir werden in Ruhe gelassen.



Donnerstag 04.11.2004


Da uns der Bazar gefaellt, gehen wir nochmals hin. Sonja ersteht einen langen Rock, um etwas „zuechtiges“ tragen zu koennen. Dann fragen wir uns durch zum kosmetischen Sektor, wo wir ein paar Oele kaufen. Oftmals werden wir angesprochen, ob wir Hilfe brauchen. Die meisten Leute sind wirklich nett und hilfsbereit.
Noch vor dem Mittag verlassen wir die Stadt Richtung Nordosten. Bald befinden wir uns auf Hoehen, so um 1000 - 1200 M.ue.M. Wenn wir die Gegend vor Sanliurfa schon als unwirtlich bezeichneten, so gibt es kaum eine Beschreibung fuer diese Gegend. Als ziemlich flache Steinwueste wuerden wir das benennen. Doch immer wieder gibt es kleine Weiler und massenhaft Hirten die mit ihren Schafen, Ziegen und Kuehen umherziehen.
Die grosse Stadt Diyarbakir war frueher das Zentrum der kurdischen Resistance PKK. Wir befinden uns also mitten in Kurdistan. Bis vor ein paar Jahren durften hier Touristen gar nicht durchfahren. Die Lage soll fuer die Kurden mittlerweile besser geworden sein. Um tuerkische Praesenz zu markieren, gibt es alle paar Kilometer Militaerposten, die vor allem Lastwagen kontrollieren. Wir werden immer durchgewunken.
Einmal machen wir WC-Halt an einer Tankstelle. Ein grosses Hallo. Alle fuenf Mitarbeiter stehen um unser Fahrzeug herum. Unbedingt wollen sie den TCM mit dem Hochdruckreiniger abwaschen. Auch zum Tee werden wir eingeladen. Mit Begeisterung erzaehlen uns die jungen Maenner, wie gut die Schweiz ihnen geholfen hat und sie wissen auch, dass Oecalan mal in die Schweiz eingeladen wurde um die Situation der Kurden zu schildern.
Auf der Weiterfahrt wird es bald immer duesterer. Es regnet und bald haengt der Nebel tief in den Taelern, die wir nun durchfahren. Die Autowaesche war vergebens, der TCM ist schon wieder verdreckt. Es ist schon dunkel, als wir bei einer Tankstelle in dem kleinen Ort Kozluk halten. Viele Autos stehen vor dem nahen Restaurant, alle sind am Essen. Der junge Bursche von der Tankstelle hat freude, dass wir hier die Nacht verbringen wollen und laedt uns gleich zum Tee ein. Kaum zurueck beim Auto, kommt schon der benachbarte Pneuhaendler und will uns auch zu Tee oder Kaffee einladen. Wir erklaeren, dass wir soeben Tee hatten. Da wetzt er ab und kommt mit einer Flasche Cola und Bechern wieder an. Von uns nimmt er nichts an. Noch ein paar Jungs kommen dazu. Die meisten sprechen kaum Englisch und Uezal, der Otolastic (Pneumann), quatscht uns begeistert auf kurdisch voll. Wir verstehen zwar nicht alles, doch ueber dies und das koennen wir uns schon unterhalten. Irgendwann erklaeren wir, dass wir etwas kochen wollen, und alle gehen ihrer Wege.



Freitag 05.11.2004


Als wir aufstehen ist Uezal bereits am Arbeiten. Zwei Lastwagen sind da und er hat zu tun. Danach waescht er unentgeldlich noch die Scheiben des TCM, erklaert uns eifrig den Weg und wuenscht gute Fahrt.br> Wunderschoene Bergtaeler durchfahren wir. Die Haeuser in den Doerfern werden immer einfacher und sind wohl nur aus Ziegelsteinen und Lehm gebaut. Ein paar Nomaden haben ihre Zelte an dem Ufer aufgestellt.
Kurz vor Mittag erreichen wir Tatvan, das an dem schoenen Vansee liegt. Von dem Ausblick auf den See und den schneebedeckten Gipfeln rundherum sind wir ueberwaeltigt. Wir fahren noch zu dem Vulkankrater Nemrut Dagi hinauf, der 2500 M.ue.M. hoch ist. Warscheindlich sind wir auch vor Euch allen zu Hause durch Schnee gefahren. Im Krater selber liegt kein Schnee. Wunderschoene Seen gibt es hier und sogar heisse Quellen. Am Kraterrand kommt uns uns ein Mann mit Schrotflinte entgegen, als wir winken lacht er und Gruesst. Doch auf was hat er wohl hier geschossen? Die Kraterlandschaft ist eher karg, nur an ein paar Stellen gibt es Buesche und Baeume. An einem Seeende fuehlen wir uns allein auf der Welt. Ausser ein paar Voegeln und einer Miniseeschlange scheint die Gegend ausgestorben zu sein. Ploetzlich erhebt sich Stimmengewirr und eine Gruppe Hollaender spazieren daher. Sie machen eine Tuerkei-Rundreise und uebernachten in Tatvan.
Wir geniessen letzte Ausblicke auf diesen schonen Krater und den Vansee und fahren dann weiter. Wir wollen unbedingt den Campingplatz kurz vor Van erreichen und fahren deshalb auch noch im dunkeln. Ausser uns sind fast nur Lastwagen unterwegs. Eine Militaerkontrolle haelt uns an, vermutlich weil sie im dunkeln unser Fahrzeug nicht identifizieren koennen. Ein kurzer Blick in die Paesse, das wars schon.
Den Campingplatz finden wir zwar, doch das Restaurant ist dunkel und auch sonst scheint hier niemand zu sein. In dem Fall gehen wir bei der letzten Petrolstation etwas essen und zum schlafen zurueck auf den ausgestorbenen Platz.



Samstag 06.11.2004


Ein Stueck fahren wir noch an dem Vansee entlang. Dann zweigen wir ab und fahren einige Zeit nahe der Iranischen Grenze entlang. Hier fuehlt man sich wirklich um Jahre zurueckversetzt. Es ist Schafhirtenland und hoechstens ganz wenig Getreide wird hier angebaut. Immer oefter winken uns die Kinder zu. Es wird einsam. Die hohen Gipfel rund um uns sind schneebedeckt und sehen im blauen Himmel und Sonnenschein wunderschoen aus. Als wir wiedermal ueber einen Pass fahren erhebt sich praechtig und maiestaetisch der Berg Ararat vor uns. Wow! 5165 Meter und mit einer dicken Schneedecke zugedeckt und, man hoere und staune, ohne ein Woelkchen um den Gipfel. Toll! Es ranken sich viele Legenden um diesen Berg, es heisst die Arch Noah’s sei hier wieder gestrandet. Aber gefunden hat noch niemend etwas. Bald erreichen wir Dogubayazyt. Hier herrscht ein totales Chaos auf den Strassen. Die Fussgaenger haben es gar nicht eilig ueber die Strasse zu kommen und wir sehen nirgends ein Schild das zum Murat Campingplatz fuehrt. Ein Mann winkt uns zu und erklaert uns den Weg. Sonja faehrt langsam durch die engen Strassen, da rennen Kinder herbei und einer huepft sogar auf und haelt sich an der Wohnungstuer fest. Michi wird sauer und springt aus dem Wagen. Natuerlich rennen da die Jungs schnell weit weg.
Der Campingplatz liegt gleich unterhalb des Ishak Pasa Sarayi, eines Palastes, der frueher die Seidenstrasse kontrolliert hatte. Zwei Camper stehen bereits hier. Also sind wir nicht die einzigen Travellers hier. Vom Besitzer werden wir gleich auf einen Tee eingeladen. Wir erfahren, dass die anderen beiden, ein italienisches und ein deutsches Paar auch in den Iran wollen. Man ist also am schwatzen und begutachtet die Fahrzeuge, als es um vier Uhr! Nachmittags schon eindunkelt und kalt wird. Brrr! Die Sanitaerischen Anlagen lassen zu wuenschen uebrig und sind oben geoeffnet! Also ist eine Dusche am Abend nicht empfehlenswert. Wir sind hier auf 1870 M.ue.M., Koordinaten N 39° 31,218’ E 44° 07,58’.



Sonntag 07.11.2004


Heute ist viel Arbeit angesagt. Unter anderem wollen wir das Reserverad mit einem benutzten Rad auswechseln. Mittlerweile haben wir 20’283 km auf dem Tacho. Das heisst wir sind seit unserer Abfahrt mit dem TCM 9’727 km gefahren. Waehrend wir werken, schauen uns oft Einheimische und auch unsere Reisenachbaren zu. Es ist Sonntag und staendig fahren Autos, gefuellt mit der ganzen Familie hier oben vor, um Wasser von der Quelle zu holen und die Aussicht zu geniessen. Da es ja frueh dunkel wird muessen wir direkt stressen, um auch noch zu duschen, bevor es eisig kalt wird.
Michi faehrt noch schnell mit dem Motorrad nach Dogubayazit runter um Brot einzukaufen. Auf der Retourfahrt wird er tatsaechlich von einem kleinen Jungen mit einem Stein beworfen. Der Junge rennt von der Strasse weg auf die Wiese, hat aber damit gerechnet, dass Michi ihm nicht nachkommt. Doch Michi wendet die gelaendegaengige Maschine und faehrt ohne Muehe auf der Wiese hinter dem Jungen her. Dieser hat dann bald die Hosen voll, weint und jammert, dass ja seine Kollegen ihn zum Wurf angestiechelt haben. Wir hoffen, der Schreck sitzt ihm tief, so dass er wohl nicht so schnell seine Tat wiederholen wird. Bis jetzt hatten wir echt noch keine Probleme diesbezueglich. Der Campingchef erklaert uns auch, dass oftmals die Eltern so viele Kinder haben, dass die gar nicht so genau schauen koennen was diese immer so treiben. Auch hatte der fruehere Regierungschef Atatuerk etwa um 1935 die Schulpflicht fuer alle Kinder eingefuehrt. Es wurden aber nur tuerkische Schulen eingerichtet und die kurdischen Kinder im Hinterland konnten die Sprache gar nicht verstehen. Auch jetzt noch gehen nicht alle kurdischen Kinder in die Schule. Erst seit zwei Jahren wird an dem Projekt gearbeitet, dass alle kurdischen Kinder in eine entsprechende Schule gehen sollen. Der Chef hier unterstuetzt ein noch neues Projekt in dieser Region, dass die Erwachsenen ueber die Moeglichkeit der Geburtenkontrolle informieren soll.
Das Restaurant wird momentan renoviert, aber in einem Hinterzimmer koennen wir zusammen mit dem Kellner Mustafa, dem Koch Erol und den Italienern im Warmen sitzen, Tee trinken und diskutieren. Hier erfahren wir leider auch, dass die Wahlen in USA bereits abgehalten wurden und zu unserem aller Uebel Busch immer noch Praesident ist.



Montag 08.11.2004


Fuer heute planen wir das Vorbereiten am PC fuer die Homepage und hoffen, dass wir am Nachmittag ins Internet koennen. Doch eben, ein bischen schwatzen mit den Deutschen hier, und da. Ploetzlich kommt ein Wanderer in etwas kurliger Aufmachung daher. Siehe da, es ist ein aeltere schweizer Freak. Er sei komme gerade aus dem Iran zurueck und will nun noch eine Weile in der Tuerkei bleiben. Es ist amuesant sich mit ihm zu unterhalten. Spaeter faehrt noch ein Hollaender mit dem Motorrad vor, der auch Richtung Osten faehrt.
So vergeht der Tag geschwind und Nachts wollen wir eh nicht mehr in die Stadt fahren. Nach dem Abendessen gesellen wir uns auch wieder zu Mustafa und Erol. Der Chef kommt auch noch und auch die Italiener und die Deutschen kommen auf einen letzten Trunk, da sie noch heute Nacht zur Grenze fahren. Heftig wird diskutiert und wir erfahren vieles ueber die Machenschaften in dieser Region und sonst was die Politiker wohl so fuer die Welt vorhaben.



Dienstag 09.11.2004


Heute werden wir wirklich ins Internet gehen und versuchen die Homepage zu fuettern. Vermutlich gehen wir morgen ueber die Grenze und melden uns dann vom Iran aus wieder.



Bildergallerie 5 inklusive Landkarte
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